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2021

Von den Anfängen der Industrialisierung im Weiltal

Eisen wurde bereits im 8. Jahrhundert im Weiltal geschmolzen. Da hier Erz zahlreich vorhanden war, ließen sich umherziehende Schmiede nieder und verarbeiteten das oberirdisch zu findende Erz. Sogenannte Waldschmieden entstanden. 

Diese Schmiedearbeit war sehr mühevoll, da sie noch mit der Hand verrichtet wurde. Ab dem 14. Jahrhundert kamen Schmiedehämmer und Blasebälger zum Einsatz. Hierzu durfte mit Erlaubnis des Grafen ab 1543 die Wasserkraft der Weil genutzt werden. Einer dieser Waldschmiede, der sich im Jahr 1421 nur wenige Kilometer von Weilmünster entfernt niederließ, war Otto von Weilmünster. 1434 vergrößerte Clais Udo dessen Werk. Nach ihm wurde die ursprünglich bezeichnete Udenschmiede benannt und erhielt später den noch heute gültigen Namen Audenschmiede.

109 Jahre führten die männlichen Nachfahren Udes dessen Schmiede fort, um schließlich an Joh. Mock (Mockhen und Mitgewerken) und drei weitere Mitgewerker verliehen zu werden. Im Jahr 1551 machte ein Feuer das Werk zunichte und führte zu einem Rückschlag.

1587 erhielt die Audenschmiede den ersten Hochofen im Weiltal. Errichtet hatte ihn Wilhelm Wilken. Der erfahrene Ofengießer hatte die Hütte unter der Bedingung beliehen einen Hochofen zu bauen, der das Schmelzen des Eisens um ein Vielfaches erleichtern sollte. Jetzt schien es aufwärts zu gehen. Zudem erhielt die Schmiede einen Eisenhammer. Da das Errichten des hohen Ofens sehr kostspielig war, kam es mit den anderen vier Mitgewerkern zum Streit.

In der Hütte wurden anfangs reichlich verzierte und mit biblischen Motiven versehene Ofenplatten, Nägel, Gussprodukte für Haus und Hof hergestellt. Besonders hohe Gewinne brachten jedoch Kanonenkugeln  ein. Der Verkauf der Eisenwaren war kein Problem, da nassauische Eisengusswaren begehrt waren. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) beendet jedoch jäh das florierende Geschäft. Trotzdem übernahm der Siegener Julius Hermann Kraft in dieser schwierigen Zeit die Eisenhütte, baute zerstörte Gebäude (1646-1647), den Hammer (1647) und den Hochofen (1652) wieder auf. Bemühungen wieder mit der Produktion von Öfen und Waffen in Betrieb zu nehmen, erwiesen sich als schwierig, da es an qualifizierten Arbeitskräften mangelte.

Anfang des 18. Jahrhunderts war Holz Mangelware. Dieses wurde für den Prozess des Eisenschmelzens benötigt. Deshalb entschied im Jahr 1712 der damalige Landesherr, dass in der Weilburger Umgebung nur die Audenschmiede bestehen bleiben durfte. Ihr Besitzer Sebastian Heinrich Kraft, zugleich Amtmann von Weilmünster, hatte sich dafür eingesetzt. Er übernahm mit dem Weilmünsterer Oberschultheiß Philipp Sorge ein Jahr später die Hütte. Dessen Erben übergaben sie endgültig 1757 an den gräflichen Wied-Runkelschen Landesrentmeister Diesterweg sowie dessen Schwager Strumpffabrikant und Handelsmann S. F. Germain (Usingen).

Am 1. April 1798 kaufte Bergrat Johann Wilhelm Buderus die Hütte von den Erben des hessen-darmstädtischen Hofrats Johann Ernst Wächter für 27 500 Gulden. Er ließ die Firma als Teil der Wetzlarer Firma Buderus weiter ausbauen. Auch er produzierte Munition bzw. Kanonenkugeln. So bestand ab 1814 ein fester Liefervertrag für die preußische Armee. Nachfolger von Buderus waren seine drei Söhne, wovon jedoch zwei wenig später starben.  Drei Neffen des kinderlosen Georg Buderus I erbten die Firma im Jahre 1840. Später wiederum wurde ein Teil an die Firma Krupp verkauft.

Der Hochofen wurde 1877 stillgelegt. Im Mai 1930 wurde auch die Gießerei geschlossen. Ein neuer Besitzer sanierte sechs Jahre später den Betrieb, um vor allem Grauguss zu produzieren, bevor das Werk erneut schließen musste und die Gebäude wie das Areal anderweitig genutzt wurden. (dp)

 Einige Gewerker habe ich aufgrund der Überschaubarkeit wie Textlänge nicht erwähnt. Auf tiefergehende Details bin ich nicht eingegangen.