Aus Eisen gefertigte Schmuckstücke haben eine lange Tradition. Mal filigran, mal schlicht und einfach galten diese Schmuckstücke aus dem besonderen Material über einen langen Zeitraum als Statussymbol. Eiserner Schmuck war selten und kostbar, da dessen Herstellung aufwendig und mühsam war. Deshalb stand es zeitweise auf einer Stufe mit Gold oder Silber.

Einen eisernen Siegel-Ring (s. Titelfoto) besaß auch Johann Siegmund Mann Jr. (*02.04.1797; † 01.02.1863in Lübeck). Er war der Großvater der beiden berühmten Schriftsteller Thomas und Heinrich Mann. Der Kaufmann hatte das Lübecker Commissions- und Speditionsgeschäft seines Vater übernommen und nutzte den Ring (1815-1830), um wichtige Dokumente zu versiegeln.

Ein dreiblättriges Kleeblatt sowie Kreuz, Herz und Anker zierten den Fingerschmuck seines Lübecker Trägers und bezeugten dessen religiöse Haltung. Während die drei Blätter des Kleeblatts die Dreifaltigkeit also Vater Sohn und Heiliger Geist sowie ein  Kreuz symbolisieren, stehen die drei zuletzt genannten Bildzeichen für Glaube, Liebe und Hoffnung.

Die Schlichtheit des Ringes wie das Material entsprachen dem Zeitgeschmack des 19. Jahrhunderts. Nicht der Wert des Schmuckstücks stand damals im Vordergrund, sondern deren Aussage. Er war sozusagen ein Statement.

Im Mittelalter war es bei den Kaufleuten üblich den Siegelring am Zeigefinger zu tragen. Später wurden sie an den Ringfinger oder an den Kleinfinger gesteckt. Auch der Daumen wurde von einigen bevorzugt, da dieser auf den Wohlstand, die Männlichkeit und Macht seines Besitzers hinweisen sollte.

Ein anderer unter Bühnenkünstlern bekannter und begehrter Ring ist der Iffland-Ring. Der diamantenbesetzte Eisenring mit einem Porträt des Schauspieler und Theaterdirektor August Wilhelm Iffland (1759-1814) wurde und wird noch heute an bedeutende und besondere Schauspieler des deutschsprachigen Theaters für deren künstlerische Leistungen auf Lebenszeit verliehen. Gestiftet wird er von der österreichischen Regierung. Träger des Ringes waren Albert Bassermann, Werner Krauß, Josef Meinrad, Bruno Ganz und seit Juni 2019 Jens Harzer.

„Gold gab ich für Eisen”. Der in Eisen-Ringe eingeprägte Spruch machte von sich reden, als Prinzessin Marianne von Preußen im Jahr 1813 die Bürger ihres Landes dazu aufrief, ihren Goldschmuck gegen Ringe oder Broschen aus Eisen einzutauschen. Nach dem Vorschlag des Berliners Rudolf Werkmeister sollte das Gold dazu genutzt werden, um die Befreiungskriege (1813-1815) gegen Napoleon Bonaparte zu finanzieren. Ziel war es, die Vorherrschaft Frankreichs über große Teile des europäischen Kontinents zu beenden.

Ihren Patriotismus bekundend steckten die Frauen stolz den Eisenschmuck an ihre Kleidung oder ihre Finger und demonstrierten damit ihr politische Haltung. Im ersten Weltkrieg wurde der an die Bevölkerung gerichtete Aufruf ihr Gold gegen Eisen zu tauschen, wiederholt.

Ein eiserner Ring, der auf eine berufliche Zugehörigkeit hinweist, ist beispielsweise bei vielen kanadischen Ingenieuren der Fall. Ingenieur-Absolventen bekommen ihn in einer privaten Zeremonie überreicht. Diese Tradition gibt es seit 1922 und gilt als Symbol und Erinnerung an Ethik und Verpflichtungen mit ihrem Beruf. (dp)