07

2021

Eindrücke aus einer längst vergessenen Welt

Seit Mai 2015 stehen die Maschinen still. Kein Brennofen schmilzt mehr unendlich viele Tonnen Eisenerz, um anschließend kunstvolle Figuren, fein gegossene Gebrauchsgegenstände oder Abbilder alter historischer Kaminplatten zu schaffen. Die große Gießhalle, in denen einst bis zu 30 Arbeiter die Hitze des Feuers nutzten und hantierten, ist fast leer. Nur noch vereinzelt stehen alte Maschinen oder Werkbänke in den beiden Hallen. Große schwere historische eiserne Kaminplatten an den Wänden, sowie vereinzelte Hinweisschilder mit warnenden Aufrufen oder Zeichen, erinnern an das einstige rege und arbeitsreiche Treiben. Es ist still geworden in dem Eisenwerk mit dem gewichtigen Namen Buderus.

Dabei hat der Kunstguss in Hirzenhain eine lange und bewegte Geschichte. Jahrhunderte früher wurden bereits in diesem Ort künstlerische Ofenplatten gegossen und Öfen hergestellt. Die Familie Buderus spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie hatte bereits 1678 die ersten Hochöfen an der Hirzenhainer Waldschmiede erbaut. Über mehrere Generationen sollten Menschen mit diesem Nachnamen den Werdegang der hiesigen wie vieler Einwohner in Deutschland maßgeblich beeinflussen. An ein wichtiges Familienmitglied erinnert heute eine Grundschule, die sich für den Namensgeber Hugo Buderus (*09.03.1841; + 25.01.1907, jeweils in Hirzenhain) entschlossen haben. Eine Villa am Hang gelegen, ein von Bäumen bewachsener Park sowie die mächtigen und umzäunten Familien-Grabsteine auf dem Friedhof, lassen den Einfluss dieser Familie erahnen.

In dem Buderus’schen Eisenwerk bzw. Hüttenwerk in Hirzenhain hatte man sich auf die Fertigung von Badewannen spezialisiert. Dazu gehörten unter anderem eine Stahlfeingießerei (3 Kupolöfen), ein Emaillierwerk sowie einige Sozialgebäude. In den Hochzeiten um die Jahrhundertwende und bis in die 60 Jahre fanden hier bis zu 1000 Menschen eine feste Anstellung. Erst 1947 ließen die Buderus’schen Eisenwerke Wetzlar in ihrem Werk Hirzenhain eine Kunstgussabteilung in einer eigenen Werkhalle hinzufügen. Wirklich Geld hat das Unternehmen mit den kunstvollen Eisenwaren allerdings nicht verdient.

In den 90er Jahren übernahm Bosch-Thermotechnik den Betrieb, verkaufte in den folgenden Jahren eine Abteilung nach der anderen. Die Auftragsarbeiten für Feinguss lohnten sich nicht mehr. Heute befindet sich eine der Firmen mit Stahlproduktion in chinesischem Eigentum. Während das Museum in der Nidderstraße 5 von dem Verein Kunstgussmuseum Hirzenhain e.V. betreut wird, gehören Grund und Gebäude dem Ennepetaler Prof. Reinhard Döpp.

Jürgen Faust, der dem Vorstand des Vereins Kunstgussmuseum Hirzenhain e.V. angehört und dessen Vater einst bei Buderus den Familienunterhalt verdiente, fühlt sich der historischen Vergangenheit verbunden. Der selbständige Gärtner ist fasziniert von der einstigen Eisengießerei und deren Produkte. Mit ihm kümmern sich vier weitere ehrenamtliche um die verbliebenen eiserenen Exponate (Berliner Eisen wie Schmuckstücke und Medaillons, dekorative Gegenstände des täglichen Lebens wie Schreibzeuge, Uhrenhalter, Schalen, Teller und Briefbeschwerer) sowie um die rund 350 historischen Kaminplatten. Das ist übrigens die zweitgrößte Ofenplattensammlung Deutschlands. Leider wurden nach der Schließung viele eiserne Kunstwerke eingeschmolzen, was ein unwiederbringlicher Verlust ist!

Für das Grundstück und das Gebäude setzt sich Prof. Reinhard Döpp ein. Sein Wunsch: Er möchte eine ähnliche Einrichtung für heutige wie nachfolgende Generationen schaffen, so, wie er es bereits in Ennepetal getan hat. „Nach dem Motto „Zukunft braucht Herkunft“ oder „Zukunft aus Tradition“ hat der Gießereikundler ein Industrie-Museum mit vielen Anschauungsprojekten als außerschulischen Lernort geschaffen. Dieses Projekt hat er in die Hände einer Stiftung gelegt. Ob das einstige Hirzenhainer Kunstgussmuseum mit Eisengießerei von der Gemeinde Hirzenhain übernommen wird und die geistigen wie ideelen Ideen seines derzeitigen Besitzers umsetzen wird, steht momentan allerdings noch in den Sternen. (dp)

Weitere Infos (auch zu den Öffnungszeiten):

http://www.kunstguss-hirzenhain.de/

https://www.naturpark-sauerland-rothaargebirge.de/nl/Media/Attraktionen/Industrie-Museum-Ennepetal

Wer sich für die Historie der namensträchtigen und weit über die Grenzen bekannte Familie aus der Eisenindustrie interessiert, findet dazu Infos im Internet unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Buderus oder https://www.lagis-hessen.de/pnd/133253619