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2021

Eine Eisengießerei in einer herausfordernden Zeit

Die Neuhütte war eine von drei Eisengießereien, die Anfang des 17. Jahrhunderts im Weiltal entstanden. Die Genehmigung dieses Werk in der Nähe von Weilmünster im Taunus zu errichten, hatte Ober-Amtmann Johann Gottfried vom Stein zu Nassau (1560–1630) vom damaligen Landesherren, Graf Ludwig II. von Nassau-Weilburg und zugleich Graf von Nassau-Saarbrücken (* 09.08.1565 in  Weilburg; † 08.11.1627 in Saarbrücken), am 17. Februar 1615 schriftlich beantragt. Doch erst Ende 1620 konnte die Arbeit in der Rohrschmiede und Ofenfabrik nach dem Bau eines Hochofens endlich aufgenommen werden.

Der Verwaltungsbeamte vom Stein holte sich Johann Caton den Jüngeren von Gülch (oder Cato von Jülich) zu Hilfe. Dieser war bereits mehrfacher Bergherr. Caton kaufte die Hälfte der Neuen Hütte und errichtete einen Hochofen, der Ende 1620 in Betrieb genommen wurde. Bereits Ende April 1620 hatte sich vom Stein vom Hüttenbetrieb zurückgezogen, sodass Caton nun alleiniger Besitzer war.

Dem Unternehmer wurde es nicht leicht gemacht. Arbeiter, die er für einen damals sehr hohen Lohn aus Thüringen geholt hatte, kehrten in ihre Heimat zurück und hinterließen hohe Schulden. Hinzu kam noch der 30-jährige Krieg sowie ein hoher Hüttenzins, den er an den Grafen entrichten musste. Mehrere Schlägereien zwischen den Weilmünsterern und den Arbeitern der Neuhütte führten unweigerlich zu einer Missstimmung – auch zwischen ihm und dem Oberschultheißen Martin Cämmerling (gleichzeitig Gewerker der Audenschmiede) von Weilmünster. Zudem kamen einige Holzlieferungen nicht zustande. Ende 1623 oder Anfang 1624 starb Johann Caton.

Erben des kinderlosen Mannes waren seine beiden Schwestern und sein Bruder Heinrich Caton von Gülch. Er war als Sekretär in Braunfels tätig und übernahm nun die Hütte samt finanzieller Altlasten des verstorbenen Bruders, die unter anderem von Prozessen begleitet waren. Es gab Auseinandersetzungen mit seinen Arbeitern wegen ausgebliebener Löhne. Zudem fehlte es ihm an Betriebskapital, so dass selbst Zinsen nicht mehr getilgt werden konnten.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma schien der Verkauf der Hälfte der Hütte zu sein. Heinrich Caton bot diese seinem Schwiegersohn Christof Sorg an, der als Hüttenmeister die Nachfolge seines Vaters Peter Sorg in der Eisengießerei in Kraftsolms angetreten hatte und als erfahrener Fachmann galt. Auch in der Eisengießerei seines Onkels Henrich Sorg in Emmershausen war er zweitweise beteiligt gewesen.

Entgegen der ursprünglichen Abmachung verkaufte Caton jedoch die Hüttenhälfte an die beiden Gewerker der Audenschmiede Martin Cämmerling und Hüttenmeister Julius Bilson.

Im Sommer 1626 überfielen Wallensteinsche Truppen die Neuhütte und raubten diese aus, darunter waren 107 kostbare Eisenöfen. Am 14. Februar 1627 konnte Christof Sorg schließlich die andere Hälfte der Neuhütte erwerben.

Nach dem Tod des Grafen Ludwig, der als Förderer der nassauischen und saarbrückischen Eisenindustrie galt, kam einiges ins Wanken. Die Bauern, die das Holz an die beiden Eisenhütten liefern sollten, verweigerten ihre Arbeit, da sie nur noch die Audenschmiede beliefern wollten. Weiteres zum Niedergang der Eisenhütten erledigte der 30-jährige Krieg dann gründlich. Erst 20 Jahre später – im Jahr 1654 – eröffnete Christofs Sohn Philipp Sorg, Oberschultheiß von Weilmünster, wieder die Neue Hütte.

Insgesamt war die Neue Hütte nur etwa 100 Jahre in Betrieb. Historische Zeichnungen von der Eisengießerei und Rohrschmiede existieren leider keine. (dp)

Foto unten: Ofenseitenplatte “Ölwunder der Witwe von Sarepta” von Christof Sorg (CS)