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2020

Eine 700-Jahr-Feier, ein Erntedankfest und der Kraftsolmser Schmiedenhof

Idyllisch am Ortsrand von Kraftsolms gelegen, befindet sich der Schmiedenhof. Auf dem historischen Anwesen feierten die Kraftsolmser und die heutigen Besitzer des Hofes am 29. September 2019 ihr Erntedankfest. Bereits wenige Monate zuvor, am 9. Juni, wurde ausgiebig gefeiert. Anlass hierfür war das 700-jährige Bestehen des knapp 900 Einwohner zählenden Ortes in der Nähe von Wetzlar.

Einst gehörte das Anwesen meinem Vorfahren Peter Sorg. Der Schmiedemeister und Ofenbauer stellte von 1580 bis 1620 mit seinen zahlreichen Gehilfen unterschiedliche Ofenplatten mit den in der Zeit üblichen religiösen Motiven her. „Das Wunder des Ölkrugs der Witwe von Zarpat“, die „Enthauptung Johannes des Täufers“ oder das „Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus“ sind nur einige Beispiele. Auf dem letztgenannten Motiv beruhen die Schmuckstücke von „eisenhart der Schmuck“.

Während die teils aus Eisen gegossenen Schmuckstücke von „eisenhart“ nur wenige Gramm wiegen – das schwerste davon wiegt zusammen mit den anderen Materialien wie Sterlingsilber und Edelstahl rund 90 Gramm – kann eine historische Ofenplatte bis zu 200 Kilogramm auf die Waage bringen.

In mühsamer und körperlich anstrengender Arbeit wurden im Schmiedenhof 15 bis 20 Zentner Roheisen pro Woche erzeugt. Das bedeutete einen hohen Verbrauch an Holzkohle, weshalb die Schmiede nur 20 bis 24 Wochen im Jahr in Betrieb war.

Über die unmittelbare und vorteilhafte Nähe der Hessenstraße konnte die im Schmiedenhof gefertigte schwere Ware transportiert werden. Die Handelsstraße führte von St. Goar nach Holzhausen auf der Haide, über den Limes am Römerkastell, nach Katzenelnbogen, Weilmünster, Möttau, Kraftsolms, Großrechtenbach und bis nach Gießen. So kamen die hier gegossenen Platten von Peter Sorg weit über die Grenzen hinaus und wurden bekannt. Übrigens verschaffte auch er sich in der damaligen Zeit als Gründer und Teilhaber zahlreicher nassauischer Eisenhütten einen Namen.

Heute kann man seine kunstvoll gegossenen und antiken Ofenplatten unter anderem im Deutschen Museum in München, im Germanischen Museum Nürnberg, im Hessenpark Neu-Anspach, im Stadt- und Industriemuseum Wetzlar, im Altertumsmuseum in Wiesbaden, im Kunstgussmuseum in Hirzenhain (Oberhessen) oder im Bergbaumuseum von Weilburg/ Lahn besichtigen. (dp)