Mit ungewöhnlichen Ideen
auf der Internationalen Weltausstellung in Paris

Als die Industrie im Laufe des 19. Jahrhunderts so richtig Fahrt aufnahm, stand ein Mann im Mittelpunkt atemberaubender Ingenieurkunst: Gustave Eiffel (* 15.12.1832 als Alexandre Gustave Bonickhausen dit Eiffel in Dijon; † 27.12.1923 in Paris). In seiner Zeit wurde der französische Ingenieur mit deutschen Vorfahren schon bald zum „Eisenzauberer“ gekürt. Denn er hatte sich ganz und gar dem wieder entdeckten Werkstoff Eisen verschrieben. Gustave Eiffels weit geschwungene Eisenbahnbrücken oder hohen Bahnhofs- und Warenhaus-Kuppeln wurden zum Zeichen einer kühnen und epochalen Bauweise. Höhepunkt war sein avantgardistisch anmutender Turm aus Eisen und Nieten: der Eiffelturm. Obwohl die Idee dazu nicht von ihm kam und das gigantische Bauwerk ihn am Anfang nicht so richtig begeisterte, war es die Arbeit seines Teams unter seinem engagierten Einsatz, das die Fertigstellung zur Weltausstellung 1889 in Paris pünktlich ermöglichte. „Tour Eiffel“ wurde zu dem unverwechselbaren Symbol industriellen Fortschritts. Es ist nicht meine Absicht, hier über all die Geschichten und Fakten rund um die Entstehung des Eiffelturms zu berichten. Das alles kann an anderer Stelle nachgelesen werden. Was mich fasziniert, sind zwei andere Objekte, die er zur Pariser Weltausstellung fertigte. Leider sind sie heute fast völlig in Vergessenheit geraten. Das eine ist ein Haus ganz aus Eisen gebaut. Es wurde seinerzeit von dem bolivianischen Kautschukmillionär Antonio Vaca Diez gekauft. Dieser ließ es nach der internationalen Ausstellung komplett demontieren und in Einzelteilen zerlegt nach Iquitos in Peru transportieren. Dort wurde es wiederaufgebaut. Das Eisenhaus mit dem Namen „Casa de Fierro“ steht im Zentrum der Stadt, die sich am Amazonas befindet. Diese Stadt im Urwald ist heute noch sehr schwer zu erreichen. Der damals abenteuerliche Transport auf dem Amazonas inspirierte Werner Herzog zu seinem Film Fitzcarraldo. Das zweite ungewöhnliche Gebäude ist eine Kirche, die ebenfalls aus Eisen besteht und als Prototyp für Missionskirchen in französischen Kolonien prämiert wurde. Der mexikanische Staat kaufte 1895 dieses Bauwerk und ließ es in der alten Bergwerkstadt Santa Rosalia mitten in der Wüste (Bundesstaat Baja California Sur) wieder zusammensetzen. Die Kirche Santa Barbara in der Avenida Obregón ist eine gern besuchte Sehenswürdigkeit. Gustave Eiffel wurde 91 Jahre alt. Sein aktives Berufsleben war geprägt durch Eisen. An vielen Orten sind noch heute seine spektakulären Werke zu sehen. Es war nicht nur das Material, dem er sich regelrecht verschrieben hatte, sondern es waren besonders sein Mut und seine Beharrlichkeit, die ihn immer wieder antrieben weiter zu machen – auch in harten Zeiten voller Rückschläge. Eisen, Ingenieurwissen und vor allem Kreativität waren der Stoff, aus dem Eiffel Zeichen für die Zukunft setzte. (Norbert Preusche)