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2020

Die Emmershäuser Hütte

Von der Waldschmiede zur Eisenhütte

Noch immer sind im Weiltal die Fundamente von Mauern der Emmershäuser Hütte, einer ehemaligen Eisengießerei, zu sehen. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Reste des Wassergrabens sowie der Schwiegerweiher. Einige Gebäude, teils in einer späteren Zeit errichtet, runden das Ensemble mitten in dem schattigen aber in dem idyllisch gelegenen Wiesengrundstück ab. Wie der gesamte Komplex ursprünglich aussah, ist auf einer alten Postkarte abgebildet. Anhand seiner Größe lässt sich erahnen, wie wichtig die Eisenhütte im 16./17. Jahrhundert für die Gegend im Hintertaunus gewesen sein muss.

Erstmals im Jahr 1395 als Waldschmiede erwähnt, erwarb Henne von Hattstein die Hälfte der Schmiede von Diel Winter von Büdesheim. Bereits  ein Jahr später verpachtete er sie an den Waldschmied Künkel aus Heimstein. Am 11. November 1588 bekamen die Brüder He(i)nrich und Peter Sorg von der Familie von Hattstein das Recht verliehen, dort Eisenerz zu verarbeiten. Schon zwei Jahre später wurde der erste Hochofen in dieser Gegend errichtet. Ein Gießhaus und eine Gebläseanlage wie umliegende Gebäude gehörten dazu. Von nun an ging es mit der Eisengewinnung sowohl für die Brüder als auch für die Emmershäuser aufwärts.

Während das Werk von Schmittmeister Henrich Sorg geleitet wurde, hatte sein Bruder Peter mit seiner Eisenhütte in Kraftsolms und mit der Suche und nach weiteren Beteiligungen an Erzbergwerken zu tun. In dem schnell wachsenden und erfolgreichen Emmershäuser Unternehmen waren unter anderem Hütten- und Formermeister, Ofengießer, Schmiede, Schleifer, etc. beschäftigt. Einige davon kamen sogar aus der Lütticher Gegend.

Aus dem Eisenerz, das aus der Lahngegend kam, erzeugten sie Eisenöfen, Waffen sowie eisene Gebrauchsgegenstände. Um den Hochofen zu befeuern, wurden Holzkohle aus dem Taunus und aus dem Wispertal geliefert. Noch heute gibt es gut erhaltene eiserne Ofenplatten aus der damaligen Zeit und aus dieser Hütte. Eine davon befindet sich unter anderem im Baseler Volkskundemuseum.

Auch Henrich Sorgs beruflicher Werdegang nahm seinen Weg. Bereits 1594 gehörte er als Schöffe dem Dorfgericht an bevor er von 1604 bis 1621 als Schultheiß eingesetzt wurde. Auch als Zöllner und Wirt war er in seinem Heimatort tätig.

Als Henrich Sorg am 26. März 1621 im Alter von 69 Jahren starb, verwalteten zwei seiner Söhne, Johann Nicolaus und Johannes, das Eisenwerk. Doch der 30-jährige Krieg (1618–1648), der mittlerweile seit drei Jahren in Deutschland wütete, verschonte auch das Weiltal und deren Bevölkerung nicht. Bis 1635 waren Eisenhammer und Hochofen noch in Betrieb. Danach zerfiel die Hütte. Von Hattstein verkaufte sie im Jahr 1664 an Graf Walrad von Nassau-Usingen. Melchior Bäppler aus Lützelinden wurde 1707 Platzmeister. Dessen Nachfahren waren in den folgenden Jahrzehnten ebenfalls in leitender Funktion. Kommerzienrat Anselm Lossen, der bereits mehrere Eisenhütten gepachtet hatte, übernahm 1818 noch diese Hütte. Sein Sohn Joseph Lossen übernahm nach dessen Tod im Jahr 1821 die Emmershäuser Hütte. Endgültig eingestellt wurde der Betrieb 1867. Heute befinden sich die Häuser wie das umliegende Areal in Privatbesitz. (dp)